Stereo-Hybridendstufe
Aus Klang & Ton 3/93
| Die Endstufe | Abgleich | Hörtest | Fazit |
Eine gut klingende Endstufe muß nicht in eine Materialschlacht ausarten: Bei
wohlüberlegter Dimensionierung einer kleinen, aber feinen Verstärkerschaltung
ist auch mit geringem Materialaufwand ein wohlklingender Verstärker machbar.
Die Hybridendstufe aus K&T 1/93 und 2/93 bildete
für Holger Stein den Ausgangspunkt für eine elektronische Fastenkur: Die
Schaltung wurde an wenig klangkritischen Stellen abgespeckt, die Zahl der
Endstufentransistoren verringert und der Umfang des Netzteils reduziert. Die
Eingangsstufe besteht jetzt aus einer Katodenbasisschaltung und einem
Katodenfolger. Bestückt ist sie mit der Spanngitterröhre PCC 88, die mit einer
Anodenspannung von 72 Volt auskommt. Diese Spannung bezieht sie über eine
Siebkette, über der zwar ein Teil der vom Gleichrichter gelieferten Spannung
abfällt, die aber dafür eine sehr konstante Betriebsspannung liefert. Die
Heizspannung der Röhre von 13,4 Volt entsteht im Netzteil mittels einer
Spannungsquelle vom Typ 7812, deren Spannungsreferenz durch zwei Dioden
(D19 und D20) um 1,4 Volt angehoben wird. Für den Fall, daß die Schaltung statt
mit der PCC 88 mit einer E88CC oder einer 6DJ8 (beides zur PCC 88 kompatible
Röhren) bestückt wird, ist ein Schalter vorgesehen, mit dessen Hilfe die
Heizspannung durch Kurzschließen einer der beiden Dioden auf 12,7 Volt
umgeschaltet wird.
Die Gatevorspannung für die Endstufen-MOSFETs wird nicht, wie in den Monoblöcken
Hybend, mittels einer aktiven Stromquelle, sondern einfach über die
Serienwiderstände R19 und R20 erzeugt. Die Endstufentransistoren - zum Einsatz
kommen die Komplementärtypen IRFP 530 und IRFP 9530 von International Rectifier -
sind gemeinsam mit dem Transistor T1, der die Höhe der Gatevorspannung bestimmt,
auf einen Kühlkörper montiert. Glimmerscheiben sorgen dabei für die elektrische
Isolation. Ein Boucherotglied aus R24 und C12 am Endstufenausgang garantiert
dafür, daß die Endstufe auch im Hochfrequenzbereich belastet ist und unterdrückt
auf diese Weise jede Schwingneigung schon im Keim. L1 und R23 begrenzen hohe
Stromspitzen bei kapazitiv belasteter Endstufe, was zum Beispiel für
elektrostatische Lautsprecher gilt. L1 besteht aus 25 Windungen Kupferlackdraht
mit einem Durchmesser von 1,4 Millimetern. Als Wickelkörper eignet sich zum
Beispiel ein Bleistift mit einem Durchmesser von 10 Millimetern. R23 wird im
Innern der Spule montiert.
Durch die Widerstände R21 und R22 fließt ein Ruhestrom von 100 Milliampere, der
über das Trimmpotentiometer P1 eingestellt wird. Zweckmäßigerweise mißt man für
den Ruhestromabgleich den Spannungsabfall über R21 oder R22. Wenn er 22
Millivolt beträgt, stimmt der Ruhestrom. Mittels P2 wird die Symmetrie
eingestellt: Ein Millivoltmeter mißt dabei die Gleichspannung am
Endstufenausgang.
Für den Hörtest standen Lautsprecher mit Eton-Hexacone-Tieftöner und Kevlar-
Kalottenhochtöner von Focal zur Verfügung, die ein sehr straffes Klangbild mit
hervorragendem Auflösungsvermögen in allen Frequenzbereichen bieten. Direkt
angesteuert über den Onkyo-CD-Player DX-6870, bot die kleine Hybridendstufe ein
rundes, angenehm neutrales Klangbild. Den Tieftonbereich reproduzierte sie
straff und voluminös. Ihre eigentliche Stärke aber lag im
Mittelhochtonbereich: Sogar der letzte Schleier löste sich vom Lautsprecher,
der Detailreichtum verblüffte die Zuhörerschaft. Bis zu recht großer Lautstärke
behielt die Endstufe ihre Mühelosigkeit und Leichtigkeit; dabei gehörte der
angeschlossene Lautsprecher mit 86 Dezibel nicht gerade zu den
wirkungsgradstärksten Wandlern. Erst bei diskothekenähnlicher Lautstärke strich
der Verstärker die Segel. Den Nachweis, trotz ihrer nominell geringen
Ausgangsleistung von nur 20 Watt an vier Ohm einen Wohnraum mit Musik zu füllen,
erbrachte die kleine Hybridendstufe mit Bravour.
Für 500 Mark bietet die 20-Watt-Stereo-Hybridendstufe von Holger Stein ein
hervorragend rundes und detailreiches Klangbild, Die Klang-Preis-Relation ist
überragend gut. Wer ein passendes Gehäuse erwirbt, wird das
Klang-Preis-Verhältnis natürlich ein wenig verschlechtern. Wer dagegen in der
Lage ist, ein eigenes Gehäuse zu bauen, wird für sein Geld kaum einen besseren
Endverstärker finden.
STECKBRIEF
Bausatzname: Stereo-Hybridendstufe
Hersteller: HiFi-Studio Holger Stein
Entwickler: Holger Stein
Art des Geräts: Röhren/Transistor-Hybrid-Endstufe
Ca.-Preise: Komplettbausatz ohne Gehäuse: 500 Mark
PREIS-LEISTUNGS-VERHÄLTNIS:
Klang: herausragend
Ausstattung: befriedigend
Verarbeitung: gut-sehr gut
MESSERGEBNISSE AUS DEM K&T-LABOR:
Ausgangsleistung:
Meßfrequenz: 20 Hz 1 kHz 20 kHz
Lastwinkel: 0 Grad 0 Grad 60 Grad 0 Grad
an 2 Ohm: 21 W 30 W 32 W 24 W
an 4 Ohm: 20 W 25 W 26 W 20 W
an 8 Ohm: 17 W 20 W 21 W 14 W
Empfindlichkeit für Vollaussteuerung:
an 2 Ohm: 0,92 V
an 4 Ohm: 1,2 V
an 8 Ohm: 1,5 V
für 1 V Ausgangsspannung: 0,12 V
Spannungsverstärkungsfaktor: 8,3
Eingangsimpedanz: 12,3 kOhm
Übertragungsbereich (-3 dB): <1Hz...53 kHz
Betriebsspannungen:
Heizspannung: 13,4 V
Anodenspannung +Ub*: 72 V
Endstufen-Versorgungsspannung +/-Ub: +/-21 V
DAS FIEL UNS AUF:
+ herausragendes Klang-Preis-Verhältnis
+ idealer Baustein für Mehrkanalanlagen, zum Beispiel Home Theater
+ in Brückenschaltung als Monoendstufe einsetzbar
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