Modularer Vorverstärker
Aus Klang & Ton 2/97
| Zentralmasse
| Steckverbindungen
| Steckverbinder-Hörtest
| Schalter
| Das Mainboard
| Betriebsspannung
| Halbleiter-Verstärkermodule
| Tape-Anschluß
| Ausbaustufen
| Auftrennbare Masse
| Kanalgetrennte Spannungsversorgung
| C37-Lack
| Der Hörtest
| Fazit |
Die Zentrale des modularen Vorverstärkers ist das Modulare Motherboard; es dient
als Anlaufstelle für die Programmquellen und die Endstufen und fügt das in der
letzten Ausgabe vorgestellte Linestufenmodul in den Signalweg ein. In weiteren
Ausbaustufen sind eine Phono-Vorstufe, eine Fernbedienung, Einschaltverzögerung,
ja sogar Klangregelung und digitale Lautstärkeeinstellung vorgesehen. Teil 2
dieser Serie beschreibt das Motherboard.
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Ein modulares Verstärkerkonzept verknüpft die Möglichkeit, nur die Baugruppen
bezahlen zu müssen, die wirklich gebraucht werden, mit der Option, vielleicht
doch noch einmal den einen oder anderen Baustein hinzuzufügen, ohne all' das
mit viel Mühe und finanziellem Aufwand Aufgebaute wieder über den Haufen werfen
zu müssen. |
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Der Versuch, auf einer großen Basisplatine alle erdenklichen Steckkarten
anzuordnen, ist allerdings zum Scheitern verurteilt, da die Signalwege allein
auf dieser Platine schon sehr lang ausfallen müssen, ganz zu schweigen von den
Umwegen durch die Steckkarten. Und eine Platine bezüglich ihrer mechanischen
Eigenresonanzen in den Griff zu bekommen, ist natürlich ebenfalls um so
schwerer, je größer sie ist.
Eine zentrale Masseführung vorzusehen scheitert selbst bei doppelseitigen
Platinen meist an der Komplexität der gesamten Signalführung, und eine Seite
der Platine als Massefläche auszuführen, hat klanglich noch nie begeistert,
da auf dieser Fläche Ausgleichsströme kreuz und quer umhervagabundieren und
keine klare Strukturierung derselben möglich ist.
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Trotz hoher Packungsdichte hat jedes Bauteil seinen optimalen Platz; die
Leiterbahnführung ist dank Auslagerung der Stromversorgung alles andere als gedrängt. |
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Steckkontakte stellen ein weiteres Handicap auf dem Weg zum guten Klang dar.
Bereits beim Relaistest der K&T-Hörjury im Heft 6/93 wurden drastische
Unterschiede zwischen den Kontakten deutlich, und einige weit verbreitete
Relais stellten sich für ernsthafte HiFi-Anwendungen schlicht als unbrauchbar
heraus. Und für Platinensteckverbinder gilt das gleiche.
Was also zum Teufel sollte einen ernsthaft denkenden Menschen dazu bewegen, ein
solches Projekt in Angriff zu nehmen? Nun, ehrlich gesagt, faszinierend ist die
Idee schon, mit einer simplen Konstruktion kurze Signalwege und eine zentrale
Masseführung zu realisieren, sich für die Zukunft alle Möglichkeiten offen zu
halten, und dabei den Verdrahtungsaufwand im Sinne der Nachbausicherheit auf
ein absolutes Minimum zu reduzieren.
Das alles in den Griff zu bekommen, ohne der Musik, die darüber spielen soll,
Gewalt anzutun, ist ein Unterfangen, bei dem problemlos Jahre ins Land gehen
können. Die während dieser Zeit meistgestellte Frage ist:
"Wie, ist das Ding immer noch nicht fertig? Sollte die Vorstufe nicht längst in
Serie gehen?" Klar, sollte sie, aber erst dann, wenn sie wirklich perfekt ist.
Und bis dahin gab es eine Menge zu klären.
Das erste Problem waren die Steckverbinder zwischen den Platinen, die bei einem
solchen Projekt unabdingbar sind: Stabil, unkompliziert, verwechslungssicher und
dauerhaft in gleichbleibender Qualität erhältlich sollten sie sein.
Das Programm namhafter Hersteller wie AMP, Tuchel oder Amphenol ist hier sehr
breit gefächert, und so kamen nach dem Studium einschlägiger Kataloge immerhin
20 Probanden in die nähere Auswahl, deren klangliche Qualitäten es einzuschätzen
galt.
In den Kontaktformen wie auch bei den verwendeten Materialien unterscheiden sich
die einzelnen Steckverbinder deutlich. Um etwa zwecks Oberflächenveredlung eine
Schicht Gold aufzubringen, sind einige weniger edle Unterschichten nötig, die
niemand sehen, wohl aber hören kann. Womit das Sprichwort "Es ist nicht alles
Gold, was glänzt" auch in Bezug auf Kontaktqualitäten seine Richtigkeit unter
Beweis gestellt hätte.
Für den Steckverbinder-Hörtest wurde immer ein Satz Verbinder zusammengesteckt
und so verdrahtet, daß das Musiksignal 12 Kontaktübergänge überwinden mußte,
bevor es seinen Weg fortsetzen konnte. Auf diese Weise multipliziert sich die
Einflußnahme des Steckkontakts auf den Klang und wird so leichter erkennbar.
Der Sub-D-Steckverbinder, immerhin in vier Varianten am Start, die allesamt
stabil wirkten und verfügbar waren, fiel als erster aus dem Rennen. Für
Computeranwendungen mag er ideal sein, jede weitere Mühe beim Einsatz eines
solchen Verbinders auf der musikalischen Ebene wäre jedoch vergeblich. Ähnlich
erging es sämtlichen Messersteckverbindern und Pfostensteckern: Auch diese
vermochten nicht zu überzeugen.
Bei den Direktsteckverbindern lagen die Resultate durchweg auf höherem Niveau.
Bei dieser Bauart besteht die eine Seite der Verbindung aus den Leiterbahnen
der Platine, auf die eine Kontaktfeder gepreßt wird. Damit entfällt eine
Lötverbindung, deren Eigenschaften nie genau fixierbar sind.
Auch unter dieser Steckverbindertype kristallisierten sich Klangunterschiede
heraus, was vermutlich auf die Kontaktmaterialien zurückzuführen ist. Allein
ein Steckverbinder aus fernöstlicher Fertigung erwies sich erstaunlicherweise
als nahezu unhörbar, so daß die Wahl nicht schwer viel.
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Alle Kontakte im Signalweg erhielten erst nach ausgiebigen Hörtests ihre Zulassung.
Das SDS-Relais darf mitmischen, weil sein Kontakt nicht im Signalweg liegt, sondern
nur die Stummschaltung während der Totzeit der Einschaltverzögerung bewirkt. |
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Zum Themenkreis Kontakte gehört auch der Eingangswahlschalter. Dessen Kontakte
müssen natürlich ebenfalls klanglich fehlerfrei sein, aber auch ein zweiter
Gesichtspunkt ist hier zu beachten: Der Schalter darf nicht zu groß ausfallen,
sonst erzwingt er unnötig lange Signalwege.
Eine Umschaltlösung mit dem Testsieger-Relais aus K&T 3/93 scheidet damit aus,
denn es ist vergleichsweise groß, und 20 Stück davon nehmen einigen Platz in
Anspruch. Standardrelais mit kleinen Abmessungen scheiden aufgrund der
schlechten klanglichen Erfahrungen von vorneherein aus. So fiel die Wahl nach
ausführlichen Hörtests auf den für diesen Anwendungsfall bestens geeigneten
Printmontagedrehschalter von Alps. Selbstreinigende versilberte Kontakte mit
einem Langzeitübergangswiderstand unterhalb von 20 Milliohm stellen in Aussicht,
an diesem Schalter auch in 10 Jahren noch Freude zu haben.
Die anfängliche Idee, die Vorstufe wie ein Computer-Motherboard mit senkrecht
stehenden Steckkarten aufzubauen, überdauerte den ersten Prototypen nicht:
Stabile mechanische Befestigungsmöglichkeiten lassen sich bei einem solchen
Konzept nicht realisieren, und die klanglichen Auswirkungen einer mehr oder
weniger labil gelagerten Verstärkerplatine sind gerade bei Verwendung von
Röhren alles andere als positiv. Auch das Motherboard wird unhandlich groß, die
Signalwege selbst bei einem unbestückten Board, das als passive Umschalteinheit
arbeitet, unnötig lang.
Eine deutlich bessere Variante besteht darin, das Board so kompakt wie eben
möglich auszuführen, damit zehn Paar Cinchbuchsen, das Lautstärkepoti und der
Umschalter gerade noch Platz finden - und natürlich die Direktsteckverbinder.
Die Signalwege sind so auf ein Minimum reduziert, und alle weiteren Module
lassen sich ebenso wie das Mainboard mit der Grundplatte des Gehäuses stabil
verschrauben.
Alle Bausteine finden auf einer 10 mal 17,5 cm großen Platine Platz, auf der es
keine ungenutzten Bereiche mehr gibt. Selbst die Ecken wurden noch einmal
abgekantet, denn die Erfahrung zeigt, daß manchmal Millimeter darüber
entscheiden, ob noch Platz für eine Erweiterung vorhanden ist. Um eine
problemlose Ableitung der durch die Röhren erzeugten Wärme zu gewährleisten,
ist das Motherboard ebenso wie alle anderen Platinen mit unzähligen Löchern
versehen, die eine ungestörte Konvektion sicherstellen.
Um angesichts solch einer kleinen Grundplatte für mindestens zwei Module
kanalgetrennte Betriebsspannungs- und Massezuleitungen auf der Printplatte zu
realisieren, wäre eine Multilayerplatine mit all' Ihren Verkopplungsproblemen
nötig. Um dies zu vermeiden, wurde die Stromversorgung ausgelagert: Über ein
20 poliges Flachbandkabel findet sie ihren Weg direkt dorthin, wo sie benötigt
wird; unmittelbar neben jedem der drei Direktverbindungs-Steckplätze befindet
sich eine Steckerleiste zur Aufnahme des 20poligen Steckers, der die
verschiedenen Betriebsspannungen für die Röhrenheizung und die Anodenspannung
bereitstellt.
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Selbst die Qualität des Flachbandkabels für die Betriebsspannungen geht in
das Endergebnis ein: Das 20polige Teflonkabel mit versilberten Einzelleitern
ist die beste Wahl. |
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An den drei Steckplätzen sind bereits alle Verbindungen für eine symmetrische
Stromversorgung vorhanden, um auch reine Halbleiterschaltungen betreiben zu
können. Somit bestehen optimale Voraussetzungen, um dieses Board auch für
weitere Entwicklungen zu nutzen.
Wenn Netzteil und Vorverstärker in getrennten Gehäusen untergebracht sind,
genügt es, das für die Spannungsversorgung zuständige Flachbandkabel einfach
ein Stück länger zu machen. Außerdem besteht jetzt die Möglichkeit, Phono-
und Linestufe komplett getrennt zu versorgen, und schließlich wahrt die
Spannungsversorgung den wünschenswerten Abstand zum Musiksignal, das als
einziges seine Bahnen auf der Platine zieht.
Nur die Betriebsspannung für die "Hilfreichen Geister", also
Einschaltverzögerung, Tape-Buffer, Fernbedienungsempfänger oder
Motorpotentiometer findet ihren Weg auf die Platine: Sie zweigt von der
Röhren-Heizspannung des dem Line-Modul zugeordneten Betriebsspannungssteckers
ab.
Die Möglichkeiten, die dieser Aufbau bietet, sind größer als zunächst vermutet:
Drei Direktsteckverbinder stehen an drei Seiten des Motherboards zur Verfügung,
auf der vierten Seite befinden sich die Cinchbuchsen.
Rechts außen gibt es einen Steckplatz für eine Phono-Stufe. Wer zu einem
Plattenspieler keine Ambitionen hat, kann hier zum Beispiel auch ein
Röhren-CD-Filter einstecken. Da Cinchbuchsen sowohl für die Eingänge als auch
die Ausgänge dieses Moduls vorgesehen sind, kann man das Ausgangssignal direkt
hinter der Phonostufe von außen abgreifen, ohne über den Eingangswahlschalter
oder den Lautstärkeregler zu gehen. Auf der anderen Seite besteht die
Möglichkeit, ohne weitere Änderungen auf der Grundplatine die
Phonoausgangsbuchsen als einen weiteren Hochpegeleingang zu nutzen.
Insgesamt stehen 6 Eingänge zur Verfügung, einer davon für den Anschluß eines
Tape-Decks. Der Eingangswahlschalter, der diese 6 Eingangsbuchsenpaare
verwaltet, ist so ausgelegt, daß das Musiksignal nur einen Schaltkontakt
überwinden muß. Um Rückkopplungen bei der Verwendung eines Tape-Decks zu
vermeiden, durchläuft das Signal bei der Aufnahme einen weiteren Schalter,
der vermeidet, daß das Ein- und Ausgangssignal des Aufnahmegeräts gleichzeitig
am Eingang der Line-Stufe anliegen. In der passiven Version liegen
10-Kiloohm-Widerstände im Tape-Ausgang, um die Eingangswiderstände und
Kabelkapazitäten des Aufnahmegerätes vom direkten Signalweg zu entkoppeln.
Perfekt geht das mit einem Pufferverstärker, und auch hierfür ist ein
Steckplatz auf der Platine vorgesehen, allerdings nicht als
Direktsteckverbinder, für den kein Platz mehr vorhanden wäre, sondern in Form
einer Steckerleiste.
Das Hauptsignal läuft über das Lautstärkepoti zu den beiden parallel liegenden
Ausgängen, so daß maximal zwei Stereoendstufen - etwa für Biamping-Betrieb -
Anschluß finden. Vor und hinter dem Poti befindet sich je ein Steckplatz für
einen aktiven Einschub. Der Steckplatz vor dem Poti wird zur Zeit nicht genutzt,
hier könnte einmal ein Impedanzwandler, ein digitales Lautstärkepoti oder gar
eine Klangregelung ihre Heimat finden. Um ihn zu aktivieren genügt es, zwei
1-mm-Bohrlöcher auf der Platine auf 3 mm aufzubohren. Diese Aktion durchtrennt
die Brücke zwischen den Ein- und Ausgängen dieses Steckplatzes.
Hinter dem Poti liegt die Line-Stufe aus Teil 1 dieser Artikelserie in K&T 1/97.
Läge sie vor dem Poti, wäre der Ausgangswiderstand des Vorverstärkers abhängig
von der Potistellung und das Treiben längerer Cinchkabel oder niederohmiger
Lasten somit ein Problem.
In der Nähe der Ausgangsbuchsen gibt es noch die Möglichkeit, eine kleine
Platine einzustecken, die das Ausgangssignal während der Aufwärmzeit der
Elektronik gegen Masse schaltet, um Störgeräusche zu vermeiden. Diese
Einschaltverzögerung trennt den Signalweg nicht auf, bleibt
klanglich also ohne Einfluß.
Für die Komfortbewußten unter uns wird es als nächstes eine
Infrarot-Fernbedienungseinheit geben, um die Lautstärke entspannt vom Sessel
aus zu regeln; ein Orchester mit 140 Leuten wird eben manchmal etwas lauter,
und dann ist es beruhigend, die ganze Bande im Griff zu haben, ohne
Hechtsprünge machen zu müssen, bevor die Nachbarn verlauten lassen, daß sie
doch eigentlich gerne Ihre eigene Musik hören wollten. Das Alps-Potentiometer
auf dem Board besitzt zu diesem Zweck einen Motorantrieb.
Die Verbindung der Cinch-Ein- und Ausgangsmassen ist über einen
Kurzschlußstecker auftrennbar. Diese Option ist erforderlich, um das Mainboard
sowohl als rein passive Schaltzentrale als auch in der aktiven Version optimal
konfigurieren zu können; in der passiven Version ohne Verstärkereinschübe ist
es sinnvoll, eine kürzestmögliche Masseverbindung zu realisieren. Aktive
Verstärkerstufen hingegen benötigen zur optimalen Funktion einen möglichst
stabilen Massebezugspunkt, auf den sie sich beziehen können, und der liegt
immer an der niederohmigsten Stelle des Netzteils. Um Intermodulationen von
Ausgleichsströmen, die über ein einziges Kabel laufen, auszuschließen, gehen von
diesem zentralen Massepunkt im Netzteil kanal- und modulgetrennte Masseleiter
über das Flachbandkabel zum Motherboard. Auch die Ein- und Ausgangsmassen sollten
sich auf diesen Punkt beziehen, was einfach durch Entfernen des
Kurzschlußsteckers zu bewerkstelligen ist.
Mit diesen Voraussetzungen versehen, bietet sich für Perfektionisten die
Verwendung von kanalgetrennten Netzteilen an. Diese Betriebsweise ist durch
Verwendung eines Zwischensteckers möglich, der die Anodenstromversorgungen
zweier Netzteile getrennt auf den rechten und linken Kanal legt. Die
Heizspannungen werden sinnvollerweise nicht kanalgetrennt, sondern für die
Phono- und Line-Stufe getrennt angeschlossen. Auf den Netzteilplatinen ist zur
einfacheren Handhabung dieser Variante noch ein geschalteter Ausgang vorhanden,
der bei Bedarf ein zweites Netzteil aktiviert.
Wenngleich das ganze Mainboard auf äußerste mechanische Stabilität getrimmt ist,
lohnt sich doch die Behandlung mit C37-Lack. Dieser macht sich noch einmal
äußerst positiv bemerkbar.
Als Programmquelle diente ein modifizierter CD-Spieler vom Typ Teac VRDS-10, der
über einen Entstörtransformator T1 seine Betriebsspannung bezog. Es folgte das
Stein'sche CD-Röhrenfilter, von wo aus es über das Modulare Motherboard zur
bewährten Stereohybridendstufe ging, die ein Paar Monitor Audio Studio 10
betrieb.
Rein passiv, mit einem Überbrückungsplatinchen an
Stelle der Linestufe, heimste die Umschalteinheit einiges Lob ein. Diese
Variante spielte offen, frisch und frei, mit konturiertem druckvollen Baß und
übersichtlicher, stabiler Räumlichkeit. Eigentlich spielte sie für eine passive
Lösung zu gut, denn das Signal lief durch einen Eingangswahlschalter, ein
Lautstärkepoti und etwa 25 cm Leiterbahn. Dennoch klang das ganze schon wie
eine gute Vorstufe.
Verwundert gingen wir ans Eingemachte und verbanden
ein baugleiches Poti über etwa zwei Zentimeter lange Drahtstücke mit zwei Sätzen
Cinchbuchsen der gleichen Art wie auf dem Motherboard. Dieses Unikum ersetzte
nun unseren Testkandidaten, und es klang - trotz gleicher Bauteile und
erheblich kürzerer Signalwege - schlechter. Dem Bass fehlte es an Kontur, die
räumliche Abbildung ließ an Präzision zu wünschen übrig, und das Klangbild
löste sich nicht mehr so recht vom Lautsprecher - kurz, es klang so, wie wir es
von passiven Lösungen kannten.
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Die einfachste Form einer Vorstufe: Ein Poti mit Cinchbuchsen. Warum das
Motherboard trotz aller zahlreichen zusätzlichen Kontaktübergänge und erheblich
längeren Signalwegen besser klingt, ist nicht ganz klar. |
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Die auf diese Erkenntnis folgende Fehlersuche wurde
erfolglos abgebrochen, und auch ein zweites Poti brachte keine Änderung.
Zurückgestöpselt auf das Motherboard war alles wieder auf dem Punkt, Ricky Lee
Jones stand wieder, wo sie hingehörte und irrte nicht mehr schemenhaft durch den
Raum.
Weitere Hörvergleiche in den unterschiedlichsten
Ketten und mit immer wieder anderen Juroren änderten an diesen Fakten, die bis
jetzt für jeden Hörer ohne Mühe eindeutig nachvollziehbar waren, nichts. Eine
Erklärung für das Phänomen steht zur Zeit noch aus. Bis diese Erklärung
gefunden ist, bleibt uns nicht viel anderes übrig, als uns mit den Tatsachen zu
arrangieren und am Klang zu erfreuen. Vielleicht gehört neben einem soliden
Grundlagenwissen manchmal auch einfach eine glückliche Hand dazu, ein solch
außergewöhnliches Ergebnis zu erzielen.
Ein Vergleich mit einem Tänzerpaar bietet sich an:
Eine gute Darbietung erweckt immer den Anschein von Leichtigkeit und
Unangestrengtheit, es scheint alles ganz leicht zu sein. Aber es war ein langer
Weg harter Arbeit dorthin, von der zum Schluß (glücklicherweise!) nicht mehr
viel erkennbar ist.
Der modulare Vorverstärker klingt schon in seiner passiven Version unerklärlich
gut. Das modulare Konzept läßt eine Vielzahl von aktiven Varianten zu, die keine
Wünsche offen lassen. Und weitere Ausbaustufen werden folgen.
Da sich die gesamte Verdrahtung selbst bei
komplexerem Ausbau auf das Netzkabel und ein steckbares Flachkabel beschränkt,
ist dieser Bausatz auch für Ungeübte mit einer rechten und einer linken Hand
leicht fertigzustellen.
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Dieses zierliche Modul ist als kleine steckbare Platine ausgeführt, die einfach
von oben in den vorgesehenen Steckplatz eingesetzt und mit zwei Abstandsbolzen
mechanisch fixiert wird. Sie schaltet das Ausgangssignal erst frei, nachdem sich
alle Arbeitspunkte des Verstärkers stabilisiert haben.
Realisiert wurde sie mit dem Timer-IC 555, das in der angegebenen Dimensionierung
von RT und CT nach etwa 17 Sekunden das Relais aktiviert. Eine Änderung der
Verzögerungsdauer ist einfach durch Vergrößern oder Verkleinern von CT möglich;
größere Werte erhöhen die Zeitspanne und umgekehrt.
Im Ruhezustand legt das Relais die Ausgänge der Vorstufe über kleine
11-Ohm-Widerstände an Masse. Der Signalweg bleibt dabei erhalten, die
Endstufeneingänge liegen also ebenfalls an Masse. Diese Lösung besitzt den
unschätzbaren Vorteil, daß der Signalweg nicht durch die Einschaltverzögerungs-
Platine und schon gar nicht über einen Relaiskontakt führt.
Ihre Stromversorgung bezieht die Schaltung aus der Heizspannung des Line-Moduls,
oder bei Betrieb mit einer Halbleiterschaltung aus deren Betriebsspannung. Ohne
angeschlossenes Netzteil kann das Relais natürlich nicht öffnen, es bleibt also
sehr ruhig im Lautsprecher...
Ferner ist eine Betriebszustandsanzeige auf der Platine integriert, die in der
Lage ist, über eine zweifarbige LED Auskunft über den momentanen Schaltzustand
zu geben. So kommt man nicht zum falschen Zeitpunkt auf die Idee, angesichts
des Verdachts zu niedrig eingestellter Lautstärke das Potentiometer aufzudrehen,
um dann nach Aktivierung des Verstärkers seine Lautsprechermembranen vom Teppich
kehren zu müssen.
STECKBRIEF
Bausatzname: Modulares Motherboard
Hersteller: Holger Stein HiFi Systems
Entwickler: Holger Stein
Art des Geräts: modularer Vorverstärker
Ca.-Preise Komplettbausatz:
MMB 1 mit Alps Kohleschicht-Poti: DM 250,-
MMB 1 mit "blauem" Alps-Poti: DM 280,-
MMB 1 mit "blauem" Alps-Motorpoti: DM 310,-
Einschaltverzögerung: DM 44,-
Brückenplatine zum passiven Betrieb des MMB 1: DM 14,-
20 poliges Verbindungskabel mit vier Steckern konfektioniert zur Verbindung von Motherboard und Modularem Netzteil MN1:
DM 28,- (18 cm) oder DM 32,- (100 cm)
PREIS-LEISTUNGS-VERHÄLTNIS:
Klang: sehr gut
Ausstattung: sehr gut
Verarbeitung: sehr gut
DAS FIEL UNS AUF:
+ praktisch beliebig erweiterbares Modulkonzept
+ durchdachte Struktur
+ Vorverstärker kann langsam wachsen
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