CD-Röhren-Filter
Aus Klang & Ton 1/94
| Takt und seine Reste |
Stromquellen |
Hörtest |
Fazit |
Die schwarze Analogschallplatte hat bei vielen Leuten ausgedient und ist durch
die viel praktischere und störungsunanfälligere CD ersetzt worden. Unter
klanglichen Aspekten ist die CD-Wiedergabe allerdings umstritten: Mancher
Musikliebhaber vertritt die Auffassung, der Klang der CD sei zwar nicht
schlecht, aber irgendwie fehle etwas - vielleicht Musikalität. Genauer
spezifizieren kann dieses unbestimmte Gefühl allerdings kaum jemand.
An dieser Stelle soll keine Grundsatzdiskussion über das digitale
Aufzeichnungsverfahren geführt werden - diese trägt philosophische und mitunter
auch polemische Züge. Physikalisch nachweisbar sind dagegen einige Details in
der Technik von CD-Playern, die eindeutig klangbeeinträchtigend wirken, für die
sich aber durchaus Abhilfe schaffen läßt. Dabei ist es nicht unbedingt
erforderlich, der Gigantomanie zu verfallen und einen 20000-Mark-Player auf die
Beine zu stellen: Schon mit geringem finanziellen Aufwand, den allerdings nur
der in der CD-Technik bewanderte gezielt betreiben kann, lassen sich
beeindruckende Klangverbesserungen erzielen. Das bedeutet nicht, daß der Kauf
eines Billig-Players, den man anschließend aufmotzt, ein teureres Modell
ersetzen kann: Ein schon im Originalzustand sehr gut klingender Player ist die
sinnvollere Basis für ein CD-Player-Tuning.
Egal, ob 16-, 18- oder 1-Bit-Wandlertechnik im Herzen des CD-Spielers schlägt,
auf der Digitalseite geben Taktfrequenzen im Megahertzbereich den Ton an. Und
von diesen Takten erscheint trotz mehr oder weniger aufwendiger Digital- und
Analogfilterung einiges als Hochfrequenzmüll am Analogausgang des CD-Spielers.
Direkt zu hören ist dieser elektrische Unrat nicht, denn ab 20 Kilohertz nimmt
die Empfindlichkeit des menschlichen Gehörs rapide ab. Aber er moduliert das
hörbare Musiksignal und ist so für IM- und TIM-Verzerrungen verantwortlich, und
zwei auf dem Frequenzband eng beieinanderliegende Hochfrequenz-Störungen können
Differenztöne im hörbaren Bereich erzeugen.
Abhilfe schafft ein elektrisches Tiefpaßfilter, das
räumlich vom CD-Spieler getrennt ist, damit nicht induktives oder kapazitives
Übersprechen die Hochfrequenzstörungen an der Filterschaltung vorbeimogelt.
Eine solche Filterschaltung, die auf der
Spanngitterröhre PCC 88 basiert, wird hier vorgestellt: Sie ist als vierpoliges
Besselfilter mit einer Eckfrequenz von 50 Kilohertz (- 3 Dezibel) ausgeführt.
Damit ist die Phasendrehung unterhalb von 20 Kilohertz vernachlässigbar, eine
negative Klangbeeinflussung also nicht zu erwarten. Die Eingangsimpedanz der
Schaltung liegt bei 400 Kiloohm, die Ausgangsimpedanz bei 330 Ohm. Die
Verstärkung beträgt knapp eins, die Schaltung ist daher als Impedanzwandler
anzusehen: Selbst CD-Spieler mit hochohmigem Ausgang, was zum Beispiel für die
meisten regelbaren Ausgänge zutrifft, lassen sich anschließen, und das CD-Filter
ist in der Lage, eine Endstufe unmittelbar anzusteuern. Ist die verwendete
Endstufe ausreichend empfindlich und der CD-Player-Ausgang regelbar, dann kann
sich ein Vorverstärker also entfallen.
Eine Besonderheit der hier vorgestellten Röhrenbeschaltung sind die
Konstantstromquellen an Stelle der normalerweise üblichen Katodenwiderstände.
Die einfachste Form der Stromquelle ist ein Feldeffekt-Transistor (FET), dessen
Gate und Source zusammengeschaltet sind. Legt man dann eine Spannung zwischen
Drain und Source an, dann stellt sich ein konstanter Strom ein, der in einem
weiten Bereich unabhängig von der Höhe der angelegten Spannung ist und nur von
dem Dotierungsgrad des Halbleitermaterials abhängt (siehe Bild 1). Der Vorteil
dieser Schaltung gegenüber anderen Varianten der Stromstabilisierung besteht
darin, daß keine Hilfsspannung erforderlich ist. Eine über eine
Spannungsreferenz aufgebaute Stromquelle, der meistgegangene Weg, bringt als
störenden Effekt eine Kopplung mit der Betriebsspannung. Ein weiterer Vorteil
einer aus einem FET aufgebauten Stromquelle ist ihre geringe
Temperaturabhängigkeit. Allerdings hat der Anwender auf die Größe des Stroms
keinen Einfluß. Er kauft also entweder eine FET-Festwertstromquelle, die es im
TO-92-Gehäuse mit zwei Beinen zum Beispiel von Siliconix gibt, oder er
unterzieht sich der Mühe, verschiedene FETs auszumessen, bis die passenden
gefunden sind.
Die Klangunterschiede zwischen Katodenwiderstand und Stromquelle sowie im
nächsten Schritt zwischen unterschiedlichen Festwertstromquellen und
entsprechend geschalteten FETs waren Gegenstand eines ausführlichen Hörtests.
Dazu wurde R9 gegen eine Stromquelle von 2,0 bis 2,5 Milliampere ausgetauscht
und an Stelle von R 10 eine 2,5- bis 3,0-Milliampere-Stromquelle eingebaut.
Schon in der Widerstand-bestückten Form brachte
das CD-Filter eine beeindruckende Ruhe in die Wiedergabe des Onkyo-CD-Players
DX-6870. Der bisher vorhanden gewesene Nebel war wie weggeblasen, und Details,
die bis zu diesem Zeitpunkt diffus oder unentdeckt geblieben waren, gaben sich
plötzlich zu erkennen. Die Klangquellen standen stabiler auf ihren Plätzen, und
zwischen ihnen war jetzt mehr Raum.
Der Unterschied zwischen Widerstand und
Stromquelle war dann nochmals eklatant: Der Klang gewann bei Verwendung der
Stromquellen an Klarheit, die Musik klang jetzt selbstverständlicher und
losgelöster. Speziell im Hochtonbereich gaben sich mehr Feinheiten zu erkennen.
Die Unterschiede zwischen verschiedenen Stromquellen waren geringer und
teilweise nicht einfach auszuloten. Festwert-Stromquellen schnitten generell
besser ab als Standard-FETs, allerdings gab es eine rühmliche Ausnahme: Der
Feldeffekt-Transistor BFW 12 in Stromquellen-Schaltung konnte sich eindeutig an
die Spitze aller getesteten FETs und Stromquellen setzen. Wurde er gar
thermisch vorgealtert, dann war er den anderen Bauteilen deutlich überlegen.
Für das CD-Filter bieten sich mehrere Einsatzmöglichkeiten an: Als eigenes
Gerät ergänzt es vorhandene Wiedergabeketten. Schon mit dem auf der Platine
enthaltenen Netzteil liefert die Schaltung exzellente Ergebnisse.
Bekanntermaßen kann es natürlich nie schaden, hier einen größeren Aufwand zu
treiben - siehe das Netzteil in K&T 6/92. Soll dieses zur Anwendung kommen, dann
erlaubt das Platinenlayout, die Netzteil-Abteilung einfach abzutrennen.
Um eine Line-Stufe und bei Bedarf eine
Phonovorstufe ergänzt, läßt sich ein Vorverstärker aufbauen. In einem vorhandenen
Vorverstärker kann das Filter in den CD-Eingang gelegt werden, ähnlich wie ein
RIAA-Entzerrer im Phonoeingang liegt. In den in K&T 1/92 vorgestellten
Vorverstärker integriert, kann das vorhandene Netzteil zusätzlich auch die
CD-Filterschaltung versorgen.
Die in dem hier vorgestellten CD-Filter eingesetzten, aus je einem
Feldeffekt-Transistor bestehenden Stromquellen eignen sich hervorragend auch
für andere Katodenfolgerschaltungen. Beim Austausch von Katodenwiderständen ist
zu beachten, daß die FET-Stromquellen maximal einen Spannungsabfall von 30 Volt
vertragen; zwischen 10 und 20 Volt arbeiten sie optimal. Vor dem Austausch
sollte man also den Spannungsabfall über dem Katodenwiderstand messen, über
I = U/R den Stromfluß berechnen, eine diesen Strom liefernde Stromquelle
auswählen und ggf. durch einen Vorwiderstand den Spannungsabfall über der
Stromquelle in den optimalen Bereich bringen.
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