Für einen Silberling
Aus Klang & Ton 4/98
| Elektrische Optimierung
| Stromversorgung
| Analoge Ausgangsstufe
| Mechanische Optimierung
| Komfort-Merkmale
| Realisierung eigener Projekte
| Fazit |
Einmal auf den Geschmack gekommen, möchte mancher HiFi-Fan und Musikliebhaber
alle Möglichkeiten, Musik aus der runden Silberscheibe zu holen, ausschöpfen,
stößt dabei allerdings schnell an die mechanischen Grenzen eines vorhandenen
Gerätes.
Holger Stein umschifft diese Klippe mit einem eigenen CD-Spieler-Konzept, das
auf dem bewährten CDM12-Laufwerk von Philips basiert.
Dieses Laufwerk ist robust und störunanfällig und ermöglicht die Kombination
mit den unterschiedlichsten Elektronikvarianten.
Eine davon - und bei weitem nicht die schlechteste -
ist eine Industrieplatine, die Philips passend zum CDM12 anbietet. Sie enthält
das komplette Netzteil, die Laufwerkssteuerung mit Display, einen
Bitstream-D/A-Wandler sowie die analogen Ausgangsstufen. Die Themen Layout und
Masseführung sind hier bereits gut gelöst, und der kompakte Aufbau sichert
kurze Signalwege.
Für Detailverbesserungen ergeben sich dennoch zahlreiche Ansatzpunkte.
Ein zentrales Thema ist - wie bei allen Geräten
zur Musikwiedergabe - die Stromversorgung. Sie zeigt erstaunliche Parallelen zum
menschlichen Körper: Wie im Organismus das Herz den Blutkreislauf, der
alle Organe versorgt, in Gang hält, übernimmt im CD-Spieler der
Netztransformator die Versorgung der gesamten Schaltung.
Werden beim Menschen die Stoffwechselendprodukte
über Leber und Nieren aus dem Verkehr gezogen, um eine Vergiftung des Körpers zu
vermeiden, so vermögen im CD Spieler elektrische Filterelemente - Spulen und
Kondensatoren - die Stromversorgungspfade von umhervagabundierenden
hochfrequenten Abfällen, die bei der digitalen Signalverarbeitung entstehen, zu
reinigen.
Eine stabile Stromversorgung, sichergestellt durch einen ausreichend
dimensionierten Netztransformator und eine großzügige Siebung, ist ein guter
Ansatz. Die Entkopplung aller Stromverbraucher, die im CD-Spieler
zusammenwirken, vom gemeinsamen Netzteil zählt ebenfalls zu den
erfolgversprechenden Maßnahmen. Induktivitäten in den Strompfaden und dahinter
gegen Masse geschaltete Kondensatoren wirken dabei als Tiefpaß zweiter Ordnung.
Ein besonderes Augenmerk legt Holger Stein auf die Qualität der Kapazitäten:
Er kombiniert einen 470-µF-Elko, eine 100-nF-Folie und einen
Feststoff-Tantal-Kondensator, um über einen weiten Frequenzbereich die
Sperrwirkung des Tiefpasses sicherzustellen.
Diese Bauteile sitzen auf der Unterseite der Platine direkt an den Beinchen,
damit die Sperrwirkung möglichst unmittelbar vor dem Verbraucher einsetzt und
keine unnötig langen Strompfade hinter der Entstörstelle neue Hochfrequenzreste
einfangen.
Die Gleichrichterdioden im Netzteil mußten schnelleren
Exemplaren weichen, die die vom Stromnetz gratis mitgelieferten Störkomponenten
zuverlässiger gleichrichten, und neben Siebkondensatoren bester Qualität erhielt
die Digital-Abteilung der Steuerplatine noch einen 47000 µFgroßen Goldcap.
Auch der Versorgung für die Servosteuerung, die die
Laserposition beaufsichtigt, teilte Holger Stein zusätzliche Kapazitäten zu,
eine Maßnahme, die der Abtastgenauigkeit zugute kommt und Stabilität ins
Klangbild bringt.
Die Ausgangsstufe des CDX-3 besteht aus einer Filterschaltung, die um einen
Operationsverstärker herum aufgebaut wurde.
Neben dem Einsatz von KP-Kondensatoren und
Kohlemassewiderständen im Ausgang erwies es sich als positiv, das komplette
Filter umzudimensionieren, um Polstellen aus dem Hörbereich zu
verbannen.
Als Operationsverstärker kommt ein Typ von Linear
Technology zum Einsatz, der eingangsseitig über eine Referenzspannung aus dem
D/A-Wandler vorgespannt wird.
Der Koppelkondensator im Ausgang ist ebenfalls mit
einem KP-Kondensator gebrückt.
Dem Wandler, einem Bitstream-Wandler vom Typ SAA 7341, steht ein 64kByte großer RAM-Pufferspeicher
hilfreich zur Seite. Auch hier werden alle Betriebsspannungen aufwendig abgeblockt.
Der mechanische Aufbau des CD-Spielers beeinflußt das Gesamtergebnis beträchtlich.
Die Kunst besteht darin, die richtigen Teile zu bedämpfen, zu stabilisieren oder
ihnen den richtigen Klang anzuerziehen. Die wichtigste Maßnahme liegt im Einsatz
einer abgestimmten Massiv-Resonanzbasis, auf die das ganze Laufwerk über Filzdämpfer
aufgesetzt ist.
Weitere dämpfende Eingriffe gelten dem Schwingquarz, der den Wandlertakt
festlegt, sowie dem Motor des Laufwerks. Die Elektronik-Platine ist fest mit der Massivholzbasis
verschraubt und zusätzlich über einen lackgetränkten Filzring , der mittig unter
der Platine liegt, verspannt. Schließlich ist die gesamte Baugruppe mit Ennemoser's C37 Lack
beschichtet.
 |
|
Großen Wert legt Holger Stein auf den mechanisch optimierten Aufbau; dazu
gehört auch die resonanzarme Massivholzbasis, auf der das CD-Laufwerk über
elastische Gummischeiben entkoppelt ruht. |
|
Auch der Niederhalter für die CD profitiert von einem
dämpfenden und mit C37-Lack behandelten Aufkleber, und selbst der Dämpfer
an der Laufwerksmechanik erfüllt einen hörbaren Zweck.
Magnete auf der Brücke, die die im Laufwerk liegende
CD überspannt, besitzen ebenfalls eine klangverbessernde Funktion - keine Ahnung,
warum, aber ähnlich wie bei einem Clarifier von Bedini hilft es.
Neben den klanglich bestimmten Technik-Details verwöhnt der CDX-3 seinen Besitzer
mit zahlreichen Komfort-Funktionen. So bietet das Display eine Vielzahl von
Betriebszustandsanzeigen. Im Grundzustand zeigt es die Titelnummer und die
abgelaufene Spielzeit. Nach Betätigen der Taste "Display Mode" wechselt die
Anzeige zur verbleibenden Restspielzeit, Gesamtspielzeit und Titelanzahl.
Eine Shuffle-Funktion zum Abspielen der Titel in zufälliger Reihenfolge
ist ebenso vorhanden wie die Option, die Titelreihenfolge den eigenen
Wünschen entsprechend zu programmieren.
 |
|
Für Komfort ist gesorgt: Die Fernbedienung ist lernfähig, steuert auf Wunsch
also auch andere Geräte. Der Empfängerbaustein ist auch einzeln lieferbar und
ermöglicht dem Anwender, beliebige Geräte mit fernbedienbaren Funktionen
auszustatten. |
|
Nützlich für Vielkopierer ist die
Möglichkeit, die Stücke Ihrer Länge entsprechend automatisch so zu sortieren,
daß zum Beispiel die Spielzeit einer Kassette bestmöglich ausgenutzt wird,
und die Fähigkeit Pausen zwischen den Stücken einzufügen.
Neben der vorgestellten Edelstahl-Gehäusevariante bietet Holger Steins
CD-Spieler-Modul CDX-3 dem engagierten Musikhörer eine Vielzahl von
Möglichkeiten, eigene Vorstellungen vom Erscheinungsbild seines CD-Spielers zu
verwirklichen, ohne dabei in die Digitaltechnik einsteigen zu müssen.
Um zum Beispiel einen Toploader zu realisieren,
genügt es, die Brücke über der Lasereinheit zu entfernen und die Schublade mit
Heißkleber zu fixieren.
Um der Steuerelektronik, die ja noch auf die Rückmeldung
wartet, ob die Schublade drinnen oder draußen ist, klarzumachen, daß die CD schon im
Laufwerk liegt, reicht es, den Schubladenendschalter durch einen Kippschalter zu
ersetzen. Der Schubladenmotor wird hierbei natürlich abgeklemmt.
Für denjenigen, der keinen großen Wert auf eine mit
Knöpfen übersäte Frontplatte legt, besteht die Möglichkeit, den CD-Spieler ohne
die Bedientastaturen aufzubauen und ausschließlich über die Fernbedienung
anzusteuern. Dann kann auch das Gehäuse deutlich kompakter ausfallen.
Wer das abgebildete Edelstahl-Gehäuse verwendet,
findet auf der rechten Seite noch genügend Platz für das bereits in K&T 1/94
vorgestellte Röhrenfilter.
Wer darauf brennt, seine eigenen Ideen eines CD-Spielers zu realisieren, findet
im betriebsbereiten Modul CDX-3 von Holger Stein eine bestens klingende und tadellos
funktionierte Einheit, auf deren Grundlage sich interessante Projekte
realisieren lassen. Wer ein reines CD-Laufwerk ohne Wandlerelektronik bauen
möchte, sollte allerdings noch abwarten: Holger Stein plant bereits ein ebenfalls
auf dem CDM12 basierendes Projekt, das über einen anderen Chipsatz verfügt und
speziell für die Verwendung als Laufwerk optimiert ist.
STECKBRIEF
Hersteller: Holger Stein HiFi Systems
Vertrieb: Holger Stein
Art des Geräts: CD-Player-Bausatz
Ca.-Preise:
Spielfertiges Modul mit Bedienplatinen ohne Fernbedienung 1.200 DM
Spielfertiges Modul wie oben, zusätzlich mechanische Optimierung und C37-Lackierung 1.550 DM
Fernbedienungsempfänger plus Fernbedienung 75 DM
Erweiterung: S/PDIF Digitalausgang ab 65 DM
Edelstahlgehäuse 600 DM
PREIS-LEISTUNGS-VERHÄLTNIS:
Klang: hervorragend
Ausstattung: sehr gut
Verarbeitung: Keine Bewertung, da Prototyp
MASSE
CD-Player-Modul BxHxT: 180x90x270mm
Fertiggehäuse BxHxT: 440x120x320mm
DAS FIEL UNS AUF:
+ sehr solider mechanischer Aufbau
+ hervorragender Klang
+ der von CD-Playern bekannte Komfort ist vorhanden
|