Am Anfang war der Strom
Aus Klang & Ton 2/96
| LC-Filter
| Trenntransformatoren
| Entstörtransformatoren
| Rückdämpfung
| Praktische Realisierung
| Fazit |
Der "Kettengedanke" ist so alt wie der Wunsch, hochwertige Musikwiedergabegeräte zu
schaffen. Er besagt, daß für guten Klang nicht einzelne Geräte die Verantwortung
tragen, sondern ihr Zusammenwirken in einer Musikwiedergabekette verantwortlich ist,
und daß am Ende nur herauskommen kann, was vorne hereingesteckt wurde.
Eine klare Sache, denn was von vorneherein schlecht
oder unvollständig ist, wird auch durch noch so sorgfältige Verstärkung und
elektroakustische Wandlung im Lautsprecher nicht besser. Und am Anfang steht ...
der Strom. Natürlich auch der Plattenspieler und der CD-Player, aber die laufen ja,
von alten Trichtergrammophonen einmal abgesehen - mit Strom. Und der kommt meistens
aus der Steckdose.
Jeden Verstärker kann man als ein Ventil
interpretieren, das vom Musiksignal an der Eingangsbuchse moduliert wird und den
vom Netzteil gelieferten Strom an den Lautsprecher weitergibt. Nur störungsfreie
Gleichspannung am Ausgang des Netzteils bietet daher die Gewähr für lupenreinen
Klang.
Nun kann kaum jemand sich ein privates Elektrizitätswerk
leisten. Deshalb haben Akku-Stromversorgungen Hochkonjunktur. Eine interessante
Alternative dazu ist, den mehr oder weniger hochfrequent verschmutzten
50-Hertz-Netzstrom einer gründlichen Reinigung zu unterziehen - mit einem Netzfilter.
Welche Störenfriede sich der Betreiber einer HiFi-Anlage
über die Netzsteckdose einfängt, verdeutlicht ein Blick auf den Oszilloskopschirm:
Schaltnetzteile, Vorschaltgeräte von Leuchtstoffröhren und hochfrequenzverarbeitende
Geräte schicken munter auf dem Versorgungsnetz umhervagabundierende Störimpulse
aus, und Verbraucher mit hohem Anschlußwert zwingen die Netzspannung in die Knie.
Die eigentlich sinusförmige 50-Hertz-Grundwelle schließlich ist merklich abgeflacht,
ein Indiz für nicht unerheblichen Oberwellen-Anteil. Tatsächlich liegt der Klirrfaktor
der Netzspannung durchschnittlich bei 8 bis 12 Prozent.
Verantwortlich dafür sind die Transformatoren in den Umspannwerken der Elektrizitätsversorger,
die insbesondere während der mittäglichen Leistungsspitze hart an der magnetischen
Sättigungsgrenze ihres Kernmaterials arbeiten.
Besonders der Hochfrequenzmüll kann sich oft ungehindert
bis ins Musiksignal durchschlagen: Den Netztransformator passiert er auf kapazitivem Weg,
der Gleichrichter ist viel zu langsam, um die schnellen Amplitudenschwankungen gleichzurichten,
und die Siebelkos des Netzteils vermögen ihn infolge ihrer Eigeninduktivität nicht
kurzzuschließen. Aber auch der relativ niederfrequente Netzklirr kann gehörigen
Ärger bereiten.
Natürlich gibt es Mittel und Wege, den elektrischen Plagegeistern
den Weg zu verbauen, zum Beispiel über extrem schnelle Schottkydioden im Netzteil,
kleine Parallel-Kondensatoren zu den Gleichrichterdioden oder Glimmer C's in der
Siebkette, aber der bessere Weg ist, die Störenfriede schon vor dem Netztransformator
zu bremsen.
Dazu bedarf es eines Netzfilters.
Dieses ist elektrisch schlicht als Tiefpaß mit einer Eckfrequenz mehr oder minder knapp
oberhalb von 50 Hertz zu beschreiben. Der passiven Frequenzweichentechnik ist diese
Materie verblüffend ähnlich, denn auch hier hängt die Filterwirkung stark von Größe und
Form der Lastimpedanz ab. Und wie beim Lautsprecher ist die Last in der Regel
induktiver Natur, denn ein Netztransformator bildet üblicherweise das Eingangsbauteil
jedes HiFi-Geräts.
Netzfilter gibt es fertig zu kaufen, oft eingebaut in Kaltgeräte-Einbaustecker
oder in einem Metallgehäuse vergossen. Üblich sind Filter zweiter und vierter
Ordnung mit einer Dämpfung zwischen 20 und 60 Dezibel bei 1 Megahertz. In der
Industrieelektronik werden diese Filtermodule genutzt, um die Störaussendung
hochfrequenzverarbeitender Geräte über den Netzanschluß zu unterbinden. Es gibt
sie mit unterschiedlichster Belastbarkeit. Für die Audiotechnik sind diese
Einbau-Netzfilter nur bedingt zu verwenden, da ihre Eckfrequenz meist zu hoch
liegt. Manche leisten bei Geräten mit geringer Stromaufnahme, wie CD-Playern,
Plattenspielern und Vorverstärkern gute Dienste, andere verschlechtern den Klang
eher. Für Endstufen kommen sie infolge zu knapper Dimensionierung selten in Frage.
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Das Innenleben des Entstörtransformators Stein T1 |
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Diese Trafos mit einem Windungsverhältnis von eins zu eins entkoppeln den angeschlossenen
Verbraucher galvanisch vom Netz. Bei Verwendung eines eigenen Trafos für jede Komponente
einer HiFi-Anlage stehen die Erdungspotentiale der einzelnen Geräte nicht mehr in Beziehung
zueinander, Brummschleifen sind damit kein Thema mehr. Trotzdem ist es noch
lange nicht egal, wie herum der Netzstecker eingesteckt wird.
Durch die großen Induktivitäten der Wicklungen ergibt
sich ab 50 Kilohertz eine gute Dämpfung. Je nach Wickeltechnik können aber noch
signifikante Störanteile durch kapazitives Übersprechen zwischen den Windungen die
Sekundärseite erreichen, und je nach Kernmaterial ist der Klirrfaktor nicht zu
vernachlässigen.
Diese speziellen Trafos bieten neben der galvanischen Trennung den Vorteil einer
verglichen mit einfachen Trenntrafos erheblich höheren Stördämpfung. Sie bestehen
aus zwei oder vier zusammengeschalteten Transformatoren mit spezieller
Wicklungstechnik. Durch den zusätzlichen Einsatz von Entstörkondensatoren
und Drosselspulen läßt sich schon ab 100 Hertz eine Filterwirkung erzielen, und
mit einer Flankensteilheit von 12 Dezibel pro Oktave ergibt sich so eine
Dämpfung von 36 Dezibel bei 1000 Hertz und 60 Dezibel bei 4000Hertz.
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Übertragungskurven des Stein T1 bei unterschiedlichen Lastimpedanzen |
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Bei digitalen Audiokomponenten ist auch die Rückdämpfung eines Netzfilters oder
Entstörtrafos von erheblicher Bedeutung: Manche dieser Geräte - pauschal läßt sich
das nicht behaupten - senden einen Abklatsch der Abtastfrequenz von 44 oder 48
Kilohertz ins Netz zurück und beglücken damit die übrigen Komponenten der HiFi-Anlage.
Dem einen Riegel vorzuschieben, ist Sinn eines eigenen Filters für diese Geräte.
Den Plattenspieler ans CD-Netzfilter mit anzuschließen ist übrigens kein Fehler,
denn schließlich läuft immer nur eine Programmquelle.
Das Prinzipschaltbild zeigt den grundsätzlichen Aufbau eines Entstörtransformators:
Die Hochfrequenzkomponenten des Netzstroms werden schon vom Eingangskondensator kurzgeschlossen,
bevor der erste Trenntrafo für die galvanische Trennung sorgt, daran schließt sich
eine RC-Kombination an, die eine weitere Filterwirkung besitzt. Es folgt ein zweiter
Trenntransformator, und den Abschluß macht eine letzte Batterie von Endstörkondensatoren.
Einen nach diesem Schema aufgebauten Entstörtransformator nahm
das K&T-Labor meßtechnisch unter die Lupe: Das Diagramm läßt unschwer die Filterwirkung
mit einer Eckfrequenz von 125 Hertz und einer Flankensteilheit von 12 Dezibel pro Oktave
erkennen. Im Bereich der Trennfrequenz hängt die Übertragungskurve stark von der nachfolgenden
Belastung ab: Sie verläuft umso flacher, je kleiner der Lastwiderstand ist.
Zulässig ist bei diesem Filter eine Anschlußleistung von 50 Watt,
entsprechend einem Lastwiderstand von 1000 Ohm. Vor dem CD-Player der Redaktion leistete es ganz
erstaunliche Dienste: Die Musikwiedergabe gewann signifikant, das Klangbild erschien farbiger. Vor
dem Vorverstärker war die Wirkung dagegen allenfalls zu erahnen, was wohl in der sehr
aufwendigen Stromversorgung dieses Geräts begründet ist.
Ein relativ preiswerter Entstörtransformator bringt häufig mehr als die Anschaffung neuer,
sehr teurer HiFi-Komponenten.
STECKBRIEF
Bausatzname: T1
Hersteller: Holger Stein HiFi Systems
Entwickler: Holger Stein
Art des Geräts: Entstörtransformator
Ca.-Preise:
Filtermodul fertig aufgebaut o. Gehäuse: 320 DM
Fertiggerät: 600 DM
PREIS-LEISTUNGS-VERHÄLTNIS: sehr gut
Messergebnisse aus dem K&T-Labor:
Trennfrequenz: 125 Hz
Flankensteilheit: 12 dB/Oct.
Stördämpfung bei 1 kHz: 36 dB
max. Anschlußleistung: 50 W
DAS FIEL UNS AUF:
+ galvanische Netztrennung
+ saubere Verarbeitung
+ kompakter Aufbau
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